Die Preisträger des new berlin film awards 2008
new berlin film award in der Kategorie
„Bester Spielfilm“
dotiert mit 2500 Euro in bar und einem Sachgutschein für Filmequipment im Wert von 2500 Euro, gestiftet von 25p*cine support
Weltstadt
Regie: Christian Klandt
Jurybegründung:
Obwohl die veröffentlichte Synopsis des Preisträgerfilms unglücklicherweise dazu geeignet ist, den potentiellen Zuschauer zu verschrecken, hat der Film die Jury augenblicklich durch sein Anliegen und seine Haltung überzeugen können. Der Regisseur arbeitet in seiner Arbeit mit großer Genauigkeit auf sein Ziel hin: die Chronik einer großen Tragödie zu erzählen ohne dabei Partei zu ergreifen. Dabei versucht er immer bei der Wahrheit zu bleiben und beiden Seiten gerecht zu werden.
Nichts wird beschönigt. Nichts wird entschuldigt. Alle Figuren werden rechtzeitig eingeführt, aufgestellt und im Verlauf des Films zusammen geführt. Der Film erhält so eine raffinierte, lebendige Struktur, die ihn für den Zuschauer immer wieder überraschend gestaltet. Großes Lob gehört auch den Darstellern, die den Film tragen und ihren Teil dazu beitragen seiner Dramatik eine Dimension zu verleihen, die positive Fragen aufwirft, den Zuschauer berührt und noch lange beschäftigt. Der Film ist ein Schauspielerfilm, dessen Handlung und Ereignisse immer aus den Figuren heraus kommen. Die Dichte des Films und sein Schnitt, der den Erzählrhythmus sowohl folgt als ihn auch mitbestimmt, tragen sich selbst, so dass die Musik bewusst und dramaturgisch eingesetzt werden konnte und den Film nicht über eventuelle Leerstellen hätte retten müssen.
Eine besondere Erwähnung soll an dieser Stelle das Engagement des Bürgermeisters und der Bürger der Stadt Beeskow finden. In Beeskow hat sich die schreckliche Tat ereignet, deren Hintergründen der Film nach geht. Normalerweise wird versucht ein solches Ereignis zu verdrängen. In diesem Fall jedoch wurde es offensiv verarbeit. Das hilft Strukturen zu erkennen und im Idealfalle zu beseitigen, die zu einer solch verachtenswerten Tat wie dem Anzünden eines betrunkenen Obdachlosen führt. Der Film ist ein starker, emotionaler mit einer gewissen, der Realität entsprechenden Leichtigkeit erzählter, intelligenter und dicht gestrickter Film, dem die Jury eine weite Verbreitung wünscht.
Die Entscheidung für WELTSTADT von Christian Klandt fiel einstimmig.
Fotos von der Preisverleihung und den Preisträgern finden Sie hier!
Ein Interview mit Christian Klandt, dem Regisseur von Weltstadt finden Sie auf unserem Festivalblog! >>> zum Interview
new berlin film award in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“
dotiert mit einem Postproduktionspreis im Wert von 9.500 Euro, gestiftet von PICTORION das Werk Berlin GmbH
Eisenfresser
Regie: Shaheen Dill-Riaz
Jurybegründung:
Eine Kamera in Augenhöhe, Bilder, die den Rhythmus eines harten Alltags aufgreifen, und ein Film, der uns mit an einen Ort nimmt, an dem Männer Tag für Tag mit bloßen Händen gewaltige Schiffe auseinander nehmen. Ein kleines, bengalisches Dorf wird zur Industrieanlage, die den Abfall unserer westlichen Welt entsorgt.
Doch mit dem Prozess des Recyclings setzten sich dort auch kapitalistische Machtverhältnisse durch. All das wird uns aus der Perspektive einer handvoll Bauern erzählt, die aus dem von Hungersnöten geplagten Norden des Landes an die Küste reisen, um ihre Familien am Leben zu erhalten. Wir lernen in diesem Film Gesichter und Geschichten kennen, die unseren Nachrichten nur in Randnotizen auftauchen.
Mit seinen Protagonisten ist der Regisseur barfuss durch den knietiefen Schlamm marschiert, hat sie beim Schweißen, beim Tragen schwerer Metallplatten begleitet und sich zu ihnen abends an den Tisch gesetzt. Es ist die unglaubliche Nähe zu den Arbeitern, die den besonderen Blick des Films ausmacht. Es ist kein Film über Kholil, Gadu und ihre Kollegen, sondern eher ein Film von ihnen.
Der Gewinner des diesjährigen Achtung-Berlin Dokumentar-Filmpreises ist „Eisenfresser“ von Shaheen Dill-Riaz, der auch für die Kamera verantwortlich ist.






