Hauptstadt der Leinwandspione
„Das Filmfestival achtung berlin lässt ein Berlin wiederauferstehen, das es so längst nicht mehr gibt. In einer Retrospektive widmet sich das Festival den Spying Sixties und zeigt Agentenfilme aus dem Berlin des Kalten Krieges.
Es ist das zweitälteste Gewerbe der Welt. Doch die große Stunde der Spionage schlug erst mit Beginn des Kalten Krieges. Und nirgendwo war der Kalte Krieg präsenter als in Berlin, wo sich die Spione auf die Füße traten. Unter dem Titel „Hauptstadt der Spione“ zeigt das Filmfestival achtung berlin – new berlin film award in Kooperation mit der Agentur ZEITREISEN in diesem Jahr eine Retrospektive zu Spionagefilmen aus der geteilten Stadt. Ganz nebenbei bietet es dabei spektakuläre Bilder von einem Berlin, das fast vergessen ist.
Die politische Großwetterlage spiegelte sich in den 60er Jahren in einer Fülle von Agentenfilmen, und Berlin wurde zu einem beliebten Schauplatz. Mauer und Stacheldraht, Checkpoint Charlie und Todesstreifen: Die steinerne Grenze mitten durch die Stadt und die Tatsache, dass sich die beiden Supermächte in Berlin so nah wie nirgendwo sonst gegenüberstanden, bildete die perfekte Kulisse für die „Spying Sixties“. Aber nicht nur das. Das Berlin der Sechziger, mit seinem faszinierenden Kontrast aus übrig gebliebenen Kriegsruinen und aufreizender Moderne am Kudamm, spielt in den ausgewählten Filmen oft selbst die Hauptrolle.
Die Filme bieten natürlich die üblichen Zutaten des Genres: Schnelle Autos, schöne Frauen und mysteriöse Treffen in dunklen Gassen. Doch die Helden sind oft ungewöhnlich gebrochen, als ob sich in ihrer Zerrissenheit die Teilung der Stadt widerspiegelt. Das gilt auch für die deutschen Filme in dieser Festival-Reihe, auch wenn diese weniger glamourös daherkommen und dadurch einen willkommenen Kontrast bilden. Bei allen Filmen lohnt sich 20 Jahre nach Ende des Kalten Krieges eine Wiederentdeckung auf der großen Leinwand.
Die große Zeit der Spione in Berlin ist Vergangenheit. Aber wenn Michael Caine an der Ruine des Görlitzer Bahnhofs von feindlichen Agenten verschleppt wird („Finale in Berlin“, 1966) oder Laurence Harvey Zeuge eines inszenierten Unfalls bei einem der berüchtigten Avusrennen wird („Der Todestanz eines Killers“,1968), und wenn sie alle - wirklich alle - am Flughafen Tempelhof in die Stadt einfliegen, dann umweht den Zuschauer wieder der Hauch des Kalten Krieges in Berlin. Und auf der Leinwand ersteht ein Berlin wieder auf, das längst untergegangen ist.
Von Alexander Vogel (Agentur ZEITREISEN)
Folgende Filme laufen auf der diesjährigen Retrospektive:
A Dandy in Aspic/Der Todestanz eines Killers
The Quiller Memorandum/Das Quiller Memorandum – Gefahr aus dem Dunkel
The Spy who came in from the Cold/Der Spion der aus der Kälte kam
Funeral in Berlin/Finale in Berlin
Lieb Vaterland magst ruhig sein
Chiffriert an Chef – Ausfall Nr. 5
Screeningtermine im Überblick:
A Dandy in Aspic
Donnerstag, 15.04., 20.30 Uhr, Babylon Mitte, Kino 2
Freitag, 16.04., 17:30 Uhr, Passage Neukölln, Kino 2
The Quiller Memorandum
Samstag, 17.04., 18:30 Uhr, Babylon Mitte, Kino 2
Montag, 19.04., 19:30 Uhr, Passage Neukölln, Kino 2
The Spy who came in from the Cold
Freitag, 16.04., 22:30 Uhr, Babylon Mitte, Kino 2
Samstag, 17.04., 22:00 Uhr, Passage Neukölln, Kino 2
Funeral in Berlin
Sonntag, 18.04., 20:30 Uhr, Babylon Mitte, Kino 2
Montag, 19.04., 17:30 Uhr, Passage Neukölln, Kino 2
For Eyes Only
Samstag, 17.04., 20:30 Uhr, Babylon Mitte, Kino 2
Sonntag, 18.04., 22:00 Uhr, Passage Neukölln, Kino 2
Lieb Vaterland magst ruhig sein
Montag, 19.04., 22:30 Uhr, Babylon Mitte, Kino 2
Chiffriert an Chef – Ausfall Nr. 5
Dienstag, 20.04., 20:30 Uhr, Babylon Mitte, Kino 2
Mittwoch, 21.04., 19:30 Uhr, Passage Neukölln, Kino 2
Desweiteren findet zu dieser Retro ein Werkstattgespräch statt:
Sonntag, 18.04.10, 18 Uhr in der 25p * lounge
Hauptstadt der Spione - Film und Wirklichkeit
Die Agentur ZEITREISEN stellt die diesjährige Retrospektive „Hauptstadt der Spione“ vor.
Die Diskussionsrunde zu den Filmen der Retrospektive. Die Kuratoren der Retrospektive wollen die Hintergründe der Spionage in Berlin beleuchten und haben dazu unter anderem die Autoren des kürzlich erschienenen Buches „Hauptstadt der Spione“, den Journalisten Sven Felix Kellerhoff und den Historiker Bernd von Kostka geladen. Wir erwarten spannende Anekdoten, seltene Filmausschnitte und vielleicht die Erkenntnis, dass die Realität noch aufregender war als die Fiktion.
Die Kuratoren der Retrospektive: Alexander Vogel und Arne Krasting (Agentur ZEITREISEN)





